Dienstag, 18. November 2014

El mundo al revés



Da kann kein grauer Novermber mithalten: Blühende Jacaranda-Bäume

-die Welt anders herum-




Carla, wie geht es dir eigentlich momentan so in Argentinien? Was machst du so? Diese und ähnliche Fragen erreichen mich momentan immer häufiger – und tatsächlich: zweieinhalb Monate bin in nun hier, die Anfangszeit, in der alles noch neu, unbekannt und aufregend war, ist vorbei.

Mein Kopf fühlt sich nicht mehr so an, als ob er vor lauter neuer Geräusche, Gerüche und Gedanken platzen würde. Ich bin nicht mehr nur ausschließlich damit beschäftigt, mit Bussen in die komplett falsche Richtung zu fahren, jedes spanische Wort nachzuschlagen oder nach dem besten - und leider trotzdem nicht sonderlich leckeren - Käse im Supermarkt zu suchen. Langsam ist es an der Zeit das Leben hier nicht mehr wie einen Besuch, sondern wie ein tatsächliches, alltägliches Leben zu führen. Es ist Zeit für eine Veränderung. Eine Art Metamorphose von Langzeit-Touristin zu Kurzzeitargentinierin? Zu Angepasster-Deutsche-die einen-einjährigen-entwicklungspolitischen-Freiwilligendienst-leistet? Oder doch eher zu…ja zu was eigentlich?

Ihr seht, diese „Metamorphose“ fällt mir momentan noch nicht so ganz leicht. Wer ich hier sein möchte, was mir wichtig ist und was ich erreichen will, das alles sind Dinge, über die ich mir (noch) nicht im Klaren bin. Und es sind Dinge, die man meist vergeblich sucht, aber dann ganz anders findet. Daher übe ich mich in Geduld und schwebe herum in meinem Kaulquappenstadium: Vielleicht wachsen mir ja schon in den nächsten Monaten ein paar Froschbeinchen, wer weiß!

Besonders ein Erlebnis, das ich letztes Wochenende hatte, geht mir so schnell nicht aus dem Kopf und zeigt ganz gut, wie ich zwischen meinem alten Leben in Deutschlands und meinem neuen Leben hier schwanke.
Letzten Samstag wollte ich ’mal das Shoppingcenter hier in der Nähe auskundschaften. Als ich den großen Gebäudekomplex betrat habe ich mich direkt, wie in einem ganz normalen europäischen Shoppingcenter gefühlt. Dieselben Geschäfte, dieselben Preise und dieselben blankgeputzten Fliesen. Eigentlich alles heimisch, normal, wie zu Hause. Die totale Komfortzone sollte man meinen. 
Doch nachdem ich in ein paar Geschäften gestöbert hatte, wurde mir dieser ganze Überfluss ganz plötzlich zu viel. Die klimatisierte und parfümierte Luft, all‘ die maskenhaft strahlenden und teuer gekleideten Verkäuferinnen und die Preise für einen Rock, von dem sich eine Familie hier locker eine Woche ernähren könnte widerten mich an und ich war nur froh, als ich über die glänzende Türschwelle treten konnte und wieder auf einer normalen Straße stand, an der sich Kioske an Obst- und Fleischläden reihen, die Musik eines CD-Verkäufers durch die Straße schallt, in der Autos in rasantem Tempo den Staub aufwirbeln. Schon komisch: Auf genau einer solchen Straße hatte ich mich gut zwei Monate zuvor unglaublich fremd und andersartig gefühlt und nun fühlte ich mich auf dieser Straße viel heimischer als in einem sterilen Einkaufszentrum. Ein Erlebnis, was ich so schnell auf jeden Fall nicht vergessen werde und was mich etwas nervös auf meine Rückkehr nach Deutschland schauen lässt.

Und sonst so? Nun ja, die Jacaranda-Bäume verwandeln Buenos Aires in ein lila Blütenmeer, wir planen fleißig unseren Urlaub im Januar und langsam aber sicher findet man auch hier Weihnachtsdekorationen, die trotz 30 Grad, Papá Noel mit Rentier und Schneelandschaft darstellen! – „el mundo al revés!“


Saludos,

Carla



Urlaubsplanung!








Ob wir die wohl alle brauchen...
                                            


Freitag, 31. Oktober 2014

La Lluvia



Und eines Morgens hatten wir einen See im Garten, auch ganz hübsch

-der Regen-

 

Lange gab es nun nichts mehr von mir zu hören, aber ich verspreche Euch, dass es in den nächsten Tagen und Wochen wieder mehr auf meinem Blog zu lesen gibt!

Mit Schuld an meiner längeren „Schreibpause“ war auch das sehr wechselhafte Frühlingswetter, insbesondere der Regen, der uns alle hier momentan ein wenig in Atem hält. Bis zum Wochenende kletterten die Temperaturen immer weiter, bis sie dann Sonntag um die 35 Grad erreichten und ich plötzlich sehr gut den Sinn der „siesta“ verstehen kann, die hier von drei bis fünf Uhr gehalten wird. Schon der Gang aus dem Schatten zum Kühlschrank, um sich etwas Kaltes zu trinken zu holen bedurfte einige Anstrengung-von meinem Volleyballspiel am selben Tag möchte ich erst gar nicht anfangen…

Die lang ersehnte Abkühlung entpuppte sich dann leider als ausgewachsenes Gewitter, welches uns auf unserer Rückkehr von einem Freiwilligentreffen einholte und uns neben durchweichten Kleidern diverse Strom- und Internetausfälle bescherte. Der Regen hörte leider auch am nächsten Tag nicht auf und so kamen morgens ganze drei, vollkommen durchnässten Kinder ins Projekt. So ist das hier bei Regen: die Schule fällt aus, viele Leute gehen nicht zur Arbeit, Sportkurse, Verabredungen und so weiter werden abgesagt.

Das Leben läuft mit Regen einfach etwas langsamer ab und fast niemand möchte das Haus verlassen. Mit Blick auf die Straßen ist das jedoch kein Wunder, denn die meisten Straßen hatten sich eher in kleine Flüsse verwandelt. Zum einen liegt das natürlich am Regen, der deutlich stärker und langanhaltender war, als ich es aus Deutschland gewohnt bin, zum anderen gibt es hier viele unbefestigte Straßen und außer einem kleinen Rinnsal am Straßenrand kein Abflusssystem. Und so fahren die Busse natürlich weniger und auch der Zugverkehr funktioniert bis heute nur eingeschränkt.


Letztendlich hatten wir es jedoch ganz gemütlich und haben bei Kerzenschein ein wenig gelesen und mit den drei Kindern und viel heißem Tee den Materialschrank auf Vordermann gebracht. Diesen Luxus von einem Haus, in das es nicht ‘reinregnet hat hier jedoch leider nicht jeder. Und so werde ich oft traurig, wenn ein Kind mir erzählt, wie hoch das Wasser in ihrem Haus stand.

Doch wie Ihr auch an den Bildern seht: es kommen bessere und sonnigere Tage!
Mir geht es immer noch gut in Alberti und bis auf eine Erkältung und verschlammte Schuhe habe ich meinen ersten richtigen argentinischen Regen nun auch erfolgreich überstanden!

¡Hasta pronto!
Carla


Autofahren gestaltet sich als, sagen wir mal: aufregend

Der Tag nach dem Regen: Langsam weicht das Wasser aus unserer Straße

 
Unsere Belohnung nach dem Regen: ein spektakulärer Abendhimmel!

Montag, 13. Oktober 2014

Campamento en "La Reserva Natural el Destino"





-Zeltlager in der "Reserva Natural el Destino"


¡Hola!
In den beginnenden Herbst sende ich euch ein paar Bilder aus der bezaubernden Natur der „Reserva el Destino“ in La Plata, wo ich mit zwei anderen Freiwilligen das Wochenende verbracht habe. An ganz vielen Orten gibt es hier private oder staatliche Naturschutzgebiete, die sogenannten Reservas, in denen man häufig auch zelten kann. Dank „Couchsurfing“ (für diejenigen, die nicht wissen was das ist, ist hier der Link: https://www.couchsurfing.org/) haben wir mit ca. 40 anderen Menschen aus der ganzen Welt die Natur bestaunt, gequatscht, gegessen und gezeltet. Bis auf einige Mückenstiche und schmerzendem Rücken dank nicht vorhandener Isomatte waren es zwei sehr schöne Tage in entspannter Atmosphäre mit vielen interessanten Begegnungen! Die Natur in der Reserva war atemberaubend und die Stille des weiten Landes unglaublich entspannend. Besonders die verzauberten Gärten und alten Bäume rund um den Campingplatz haben es mir angetan, wie ihr wahrscheinlich auf den Fotos sehen werdet!
Auf dem Rückweg habe ich dann zu Jana gesagt: „Jetzt freue ich mich aber auch auf eine heiße Dusche und mein Bett zu Hause!“. Und tatsächlich: Argentinien und Personitas wird mehr und mehr „Mein zu Hause“.


Besos,
Carla




Die Mündung des Rio de La Plata

Weites, weites Land und Stille soweit das Ohr reicht

Sogar eine Schlange haben wir gefunden!-Ich hoffe sie war nicht giftig ;)




 
Wo fängt der Baum an und wo hört das Staunen auf?

Da findet man den ein oder anderen urigen Schatz

Gipfel unter Wasser

Was für eine Vielfalt!

Bäume, Blätter, blauer Himmel!


El Campamento-das Zeltlager




Blick in einen der Gärten

Das Abendessen: "al disco"-Zubereitet über dem Feuer in einer alten Platte aus der Landwirtschaft: Perfekt!




Mittwoch, 1. Oktober 2014

Luján y la peregrinación gaucha


-Luján und die Gaucho Pilgerfahrt-

 

Hallo ihr Lieben,

heute ist der erste Oktober! Jetzt ist es nicht mehr zu leugnen: ein Monat ist 'rum! Mein Zeitgefühl ist immer noch ganz komisch: Ich befinde mich irgendwo zwischen "gerade weg" und "schon ewig hier". Aber wie dem auch sei, mir geht es gut hier, Zeitgefühl hin oder her. Tut mir leid, dass dieser Artikel so auf sich warten gelassen hat, aber in den letzten Tagen war ich so mit einkaufen, waschen (wenn man alles mit der Hand wäscht, dauert das so seine Zeit, ist dafür aber durchaus meditativ), kochen, Läuse bekämpfen und putzen beschäftigt, dass ich gar nicht zum Schreiben gekommen bin. Vielleicht sollte ich es beim nächsten Mal nicht alles aufschieben und den Hausfrauen-Koller so vermeiden.

Am Wochenende war ich mit drei Freiwilligen in Luján, einer kleinen Stadt, die etwas außerhalb liegt und durch die sehr beeindruckende Basilika von Luján bekannt geworden ist. Hier in Argentinien ist solch eine Kirche natürlich eine ganz andere Attraktion als bei uns zu Hause, wo es viele alte Kirchen zu Hauf gibt. Jedes Jahr pilgern zehntausende Gläubige nach Luján, der der bedeutendste Pilgerort des Landes ist. Der Legende nach blieb ein Karren, der eine Marienstatue nach Brasilien transportieren sollte, in der Gegend von Luján stecken. Erst als man die Statue herunternahm, konnte der Karren weiterfahren. Das nahm man als Zeichen Gottes und die Statue blieb in Luján, wo eine Kapelle für sie errichtet wurde. Als die Marienstatue jedoch verlegt werden sollte, verschwand sie jedes Mal auf unerklärliche Weise und tauchte wieder in ihrer ursprünglichen Kapelle auf. Schließlich wurde zwischen 1887 und 1930 die Basilika gebaut. Ob es nun besonders mysteriös ist, dass ein Karren sich leichter aus dem Schlamm bewegen lässt, wenn man die schwere Statue hinunterholt sei mal dahingestellt - die Kirche ist jedenfalls wunderschön!


Noch beeindruckender an diesem Tag war für mich jedoch die alljährlich stattfindende Gaucho Wallfahrt, die ein Wochenende vor der "richtigen" Pilgerfahrt stattfindet. Schon auf dem Hinweg quetschten sich Pferdekarren neben den Autos durch die heillos überfüllten Straße und wo man nur hinblickte sah‘ man Alt und Jung stolz ihre Trachten präsentieren! In einer großen Prozession zogen die Gauchos dann durch die von kolonialen Bauten gesäumten Straßen von Luján. Da hätten die deutschen Fußballer blöd geguckt, denn kein Gaucho war zu Fuß und gebückt unterwegs ;)


–aber hier sagen Bilder mehr als tausend Worte: viel Spaß beim Durchklicken!


Besos,
Carla
P.S. Samstag bin ich auf einer echten Milonga (Tangoabend). Ich kann es kaum erwarten euch zu berichten!




Die Basilika von Luján


Autos und Pferdekarren drängen sich durch die Straßen


Ein waschechtes Gauchogesicht, wie ich finde

 
Koloniale Bögen


Auch hier darf die Argentinien-Flagge nicht fehlen. So viel Patriotismus muss sein.


Alte Wandbemalung



Tracht und Coca Cola
 

Montag, 22. September 2014

¡Primavera!




-Frühling-

 



Am 21. September ist hier Frühlingsanfang-genauso wie bei euch am 21. September Herbstanfang ist …(entschuldigt mir diese schadenfrohe Bemerkung). Und während ihr euch zu Hause wahrscheinlich nur schwer vom Sommer verabschieden könnt, erwarten die Argentinier stöhnend 40 Grad und mehr –Que calor!- („Welch‘ eine Hitze“). Naja, bisher ist es noch aber noch sehr angenehm warm und ich würde definitiv nicht gerne tauschen.

Eine ein wunderbares Wochenende liegt schon wieder hinter mir! Ganz nach dem Motto: Alles neu macht der Frühling haben Jana und ich am Samstag mit Flor, der Kunstlehrerin, eine Wand im Garten gestrichen. Die Kinder hatten damit schon angefangen, bevor wir angekommen sind und jetzt hieß‘ es nur noch kleine Details ausbessern. Ganz fertig sind wir noch nicht geworden, hatten aber einen Heidenspaß und freuen uns schon darauf, bald weiterzumachen.

Sonntags ging es dann auf nach Capital (So nennt man hier Buenos Aires City)! Ganz zufällig haben wir zwei weitere Freiwillige mitten auf der Straße getroffen und gemeinsam einen wunderbaren, entspannten Tag auf dem Antiquitätenmarkt von San Telmo verbracht, wo es an jeder Ecke kleine Schätze zu finden gibt.

Zum Frühlingsanfang haben wir mit den Kindern ein, wie ich finde, sehr schönes Frühlingsritual durchgeführt, das ich euch auf keinen Fall vorenthalten möchte: Jedes Kind sollte an etwas denken, dass es ärgert oder traurig macht. Dann haben die Kinder mit viel Kraft und Energie auf einem Blatt draufloskrakeln und alles herauslassen dürfen. Diese Bilder haben wir hinterher alle gemeinsam im Ofen verbrannt. Danach gab es genug Zeit und Ruhe ein Bild mit allem zum Malen, was glücklich macht und schön ist-Unglaublich befreiend! Und, wie sehen eure Herbstrituale aus?

Von meinem Wochenende und vom beginnenden Frühling habe ich endlich auch ein paar Bilder gemacht! Klickt Euch einfach durch!

Liebste Grüße, 
Carla 

Windrad in der Huerta, dem Gemüsegarten

 


Die Mandarinen gedeihen ganz prächtig


So lässt sich der Frühling gut aushalten!

Jana bei der Arbeit

Und auch ich habe den Pinsel geschwungen

Das Endergebnis: Noch nicht fertig, aber es wird

Beim Plaza de Mayo


 
Ganz spontan findet man hier einen Nachhaltigkeitsmarkt!


Feria de Consumo Responsable


Kleine Schätze auf dem Antiqitätenmarkt in San Telmo

Mate soweit das Auge reicht!




Tourifoto auf dem Plaza de Mayo

Tango auf dem Plaza de Mayo

¡Viva la Argentina!